Mein Neffe fragte mich neulich, ob ich für seinen 18. Geburtstag eine Anlage habe, mit der er sein gemietetes Partyzelt ordentlich beschallen kann. Da ließ ich mich natürlich nicht zweimal bitten und überlegte, was man für diesen Zweck wohl nehmen könnte.
Die Kombination aus Azrael und Gargamel würde sich natürlich anbieten, allerdings ist dieses Set mehr oder weniger fest in einem Partykeller verbaut und daher nicht wirklich mobil. Und eine neue
Entwicklung macht natürlich auch noch mehr Spaß.
Ich durchforstete also mal die diversen Regale, in denen noch allerlei Chassis auf ihren Einsatz warten. Schnell fielen mir die beiden LaVoce FBASS10-18 auf, die ich vor
einiger Zeit mal für ein ähnliches Projekt, welches dann leider doch nicht zustande kam, erworben habe. Die Messung der TSP offenbarte schon damals, dass dieser TMT etwas größere
Bassreflexgehäuse bevorzugt. Satte 72 Liter schlug BassCADe vor, dafür reicht der 10"er aber dann auch bis 45Hz. Da es für Partylautsprecher aber kein Fehler ist, den Oberbass etwas zu betonen,
kann man den FBASS für solche Zwecke auch in ein noch recht handliches Gehäuse mit rund 45L stecken, ohne auf allzu viel Tiefgang verzichten zu müssen.
50Hz Grenzfrequenz hört sich nach etwas schwachem Tiefbass an, die Praxis zeigt aber immer wieder, dass sehr tief abgestimmte Lautsprecher oft gar nicht nötig sind.
Nun galt es, einen passenden Spielpartner zu finden. Und da traf es sich gut, dass ich auch noch ein Paar Druckkammertreiber LaVoce DF10.144LK
im Regal entdeckte. Die relativ günstigen LaVoce Druckkammertreiber haben uns schon in einigen Bauvorschlägen positiv überrascht. Der DF10.144LK ist noch relativ neu und bietet für einen so
günstigen Treiber eine ausgewachsene 1,4 Zoll Schwingspule, einen ausgewogenen Frequenzgang sowie ein erstaunliches Talent für tiefe Trennfrequenzen.
Nun hätte man natürlich auch ein LaVoce-Horn wählen können, allerdings ist das HD1004 für einen 10" Tiefmitteltöner schon fast etwas zu klein. Deshalb entschied ich mich für die Ellipt-Hörner von
hs-sound, an denen ich den DF10.144LK schon einmal gemessen hatte. Bei diesen Messungen stellte sich das große Ellipt28 als besonders guter Partner heraus. Je nachdem, wo man einkauft und welchen Rabatt man in den Shops bekommt, liegen die Preise für Chassis und Horn bei
ziemlich genau 100€ pro Box. Die Messungen mussten zeigen, ob man für den günstigen Preis klangliche Abstriche machen muss. Dafür wurde aus beschichteter Spanplatte ein einfaches Gehäuse gebaut,
welches seine hässlichen Schnittkanten dank Umleimer verbirgt. Die pflegeleichte Oberfläche ist ideal für den oft nicht gerade zimperlichen Partyeinsatz.
Zuerst durfte der Tiefmitteltöner zeigen, ob er seine Bezeichnung verdient und wirklich 2-Wege tauglich ist:
Ab 400Hz ist der Anstieg des Baffle-Step zu erkennen, jedoch fällt der Frequenzgang ab 900Hz schon wieder ab. Eine erste kleine Resonanz taucht bei 1,6kHz auf, ab 2kHz bricht die Membran dann
komplett in Resonanzen auf. Mit einem Hochtöner, der eine Trennung bei rund 1000Hz erlaubt, ist eine Kombination also durchaus möglich.
Also sehen wir uns die Hornkombi an:
Die scharfen Gehäusekanten sorgen zwischen 2 und 4kHz für etwas Unruhe, das sollte man aber ohne große Probleme korrigieren können. Ansonsten ist das Bündelungsverhalten sehr schön gleichmäßig
und der Hochtöner bleibt tatsächlich bis 1kHz am Ball, eher er deutlich abfällt.
Sodann wanderten die Messungen in Vituixcad und nach einigen Versuchen und etwas Tüftelei fand ich eine Beschaltung, welche die beiden Chassis ohne allzu großen Aufwand zu einem harmonischen
Miteinander überreden konnte.
Über den zweiten Widerstand in der Hochtonweiche kann man sehr bequem das Verhalten der Fumé im Präsenzbereich einstellen. Lässt man ihn komplett weg, ist der Frequenzgang auf Achse sehr linear, allerdings ist das aufgrund der etwas breiteren Abstrahlung in diesem Bereich oft etwas zu viel des Guten.
Mit 6,8 Ohm bekommt man eine recht breite Senke. Für reine Partybeschallung, auch mit etwas kritischer Musik, kann man das durchaus machen. Die Box wird dann nie aufdringlich oder gar nervig,
selbst bei sehr hohen Pegeln. Bei gemäßigtem Pegel ist ein etwas zurückhaltendes Klangbild aber schon zu erkennen.
Der beste Kompromiss stellt sich in meinen Augen mit den 4,7Ohm aus dem Weichenplan ein. Die Linearität ist noch immer sehr gut und die leichte Senke auf Achse sorgt für einen ausgewogenen
Energiefrequenzgang. Experimentieren ist an dieser Stelle aber durchaus erlaubt.
Da die Fume bei mir vor allem für Partys in meiner recht kahlen Garage vorgesehen ist, habe ich mich persönlich für die 6,8 Ohm Variante entschieden, deshalb kann man bei den abschließenden Messungen auch die etwas stärker ausgeprägte Senke erkennen - genau wie von Vituixcad vorhergesagt:
Nun musste sich noch zeigen, ob die Fume auch bei den Messungen hält, was die Simulation verspricht.
Wie immer, gibt es auch einen Warenkorb für die Weichenteile bei Quint-Audio (Preisstand 01.01.2026):
Abschließend stand noch der Hörtest an. Hier zeigte sich, dass die Fumé gar nicht so sehr nach Partybox klingt, wie man auf den ersten Blick denken könnte. Der Bass ist erstaunlich erwachsen und auch wenn die unterste Oktave auf dem Papier fehlt, vermisst man so gut wie nichts. Spätestens, wenn man die beiden Lautsprecher nahe an die Rückwand rückt, was im Praxiseinsatz wohl recht oft vorkommt, überzeugt sie mit satten, druckvollem Bass, der richtig Spaß macht.
Im Mittelhochton tönt es sehr zivil und man kann die Fumé auch ohne Wenn und Aber als Hifi-Lautsprecher in einem Wohnzimmer einsetzten. Im Vergleich zur Asathor fehlt jedenfalls nichts, es klingt
sogar erstaunlich ähnlich.
Überzeugen kann auch der Hochton. Hier zeigt sich einmal mehr, dass moderne Hörner ausgezeichnet spielen können, wenn sie mit Bedacht eingesetzt und abgestimmt werden. Der LaVoce Treiber spielt
auch schwieriges Musikmaterial so entspannt und trotzdem fein aufgelöst, dass er sich klanglich auch vor sehr vielen Hifi-Hochtönern keinesfalls verstecken muss
.
Mit rund 160€ für die Technik darf die Fumé als P/L-Tipp bezeichnet werden. Durch den hohen Wirkungsgrad braucht es auch keine großen und teuren Verstärker, um so manch andere Partyboks das
Fürchten zu lehren.
