Die Abstimmung eines Lautsprechers erfolgt final immer nach Gehör, da es oft mehrere Weichenvarianten gibt, die messtechnisch ähnlich gut sind, sich klanglich aber dann doch leicht unterscheiden. Die Beurteilung ist jedoch relativ schwer, da sich unser Gehör Klang nicht wirklich gut merken kann. Musik ist dafür einfach zu komplex, so dass der Eindruck schon nach wenigen Sekunden deutlich verblasst.
Deshalb ist es immer ratsam, mit bekannten, sehr guten Lautsprechern gegenzuhören, um Defizite leichter und schneller ermitteln zu können.
Bei einem aktuellen Projekt ging es mir so, dass sich zwei, drei Weichenversionen schon richtig gut anhörten, der Umbau aber immer viel zu lange dauerte, um entscheiden zu können, welche Variante
die Beste ist und ob vielleicht sogar noch mehr aus dem Konzept herausgeholt werden könnte. Deshalb entschied ich mich, mir einen Referenzlautsprecher zuzulegen. Er sollte möglichst günstig, aber
klanglich doch schon auf hohem Niveau spielen können. Damit er neben großen Standlautsprechern nicht untergeht, sollte auch das Bassfundament und der Tiefgang nicht zu gering ausfallen.
Ich erinnerte mich, vor vielen Jahren mal einen Bericht über einen günstigen Studiomonitor gelesen zu haben, der mittels anderer Weiche akustisch deutlich aufgewertet wurde. Nach ein wenig
Recherche war klar, dass es sich um die Behringer Truth B2031P handelte.
Zufällig erspähte ich kurz darauf ein Pärchen davon gebraucht für gerade einmal 50€ + Versand und nach einigen Tagen hielt ich die beiden dunklen Kisten in den Händen. Dabei fiel sofort das recht
hohe Gewicht auf, was bei solch relativ günstigen Lautsprechern schon ungewöhnlich ist. Optisch hat das mit der schwarzen Kunststoffbeschichtung und der etwas zerklüfteten Front 80er Jahre
Charme, eine Schönheit ist die Behringer damit jedoch nicht. Allerdings ist das Waveguide des HT sehr sauber an die Kalotte angepasst und die Bestückung wirkt insgesamt durchaus wertig.
Nachdem der Frontrahmen abgeschraubt und der TMT ausgebaut war, konnte man auch erkennen, woher das hohe Gewicht kam. Das Gehäuse besteht komplett aus MDF und ist an der Front bis zu 38mm dick.
Zusätzlich ist noch eine massive Strebe verbaut, da gibt es nichts zu meckern. Nicht ganz so massiv fallen die beiden Bassreflexkanäle aus. Sie bestehen aus einfachem Kunststoff und sind zudem
relativ schmal, was bei hohen Pegeln sicher zu Kompressionseffekten führen wird.
Da der TMT schon einmal ausgebaut war, konnten auch gleich die TSP ermittelt werden:
Für einen relativ günstigen 8"er sind das erfreulich praxisgerechte Parameter, allerdings fällt schnell auf, dass das originale, rund 18 Liter fassende Gehäuse, deutlich zu klein ist um die Fähigkeiten auch nur annähernd auszureizen. Eine Simulation zeigte das auch ganz deutlich:
Die originale Abstimmung (schwarz) zeigt eine klare Betonung im oberen Bassbereich und kaum Tiefgang. Für eine ausgewogene Bassreflexabstimmung wären eher 50L oder mehr nötig (blau). Außerdem sind die BR-Kanäle mit lediglich rund 20cm² Querschnittsfläche deutlich zu klein für einen 8"er. Mindestens das Doppelte sollte es schon sein.
Geschlossen (rot) läuft der TMT jedoch sehr schön im originalen Gehäuse und kann so optimal an einen Subwoofer angebunden werden.
Alex war so nett und hat auch noch mit AJ-Horn ein paar Varianten durchgespielt.
Schwarz ist wieder die originale Abstimmung. Rot ist BRHP mit 1000µF, das funktioniert aber leider auch nicht, weil das Gehäuse dafür viel zu klein ist.
Für GHP bietet die Behringer allerdings keine schlechten Voraussetzungen. Mit 750µF (grün) oder 1000µF (blau) läuft der TMT im originalen Gehäusevolumen bis hinunter in die 45Hz Region - das ist
für eine kompakte Box durchaus beachtlich und man hat gegenüber der originalen Abstimmung noch nicht mal Einbußen im Tiefgang. Klanglich also klar die beste Variante.
Nun gings aber endlich vors Mikro und die Chassis durften zeigen, was sie können:
Der TMT zeigt ab 400Hz den Einfluss des Baffle-Step, fällt aber eine Oktave höher schon wieder langsam ab, bevor über 2kHz die Resonanzen einsetzen.
Beim HT gibt es wenig zu meckern. Er ist kein Linearitatswunder, aber insgesamt ist das schön ausgewogen. Im oberen Hochton gibt es einen kleinen Einbruch auf Achse, da sich auf dem Gitter vor
der Kalotte ein transparentes Diffusorblättchen befindet.
Mit der originalen Weiche ergab sich folgendes Bild:
Insgesamt durchaus brauchbar, vor allem im Hochton. Im Mittelton gab es allerdings durchaus Verbesserungspotenzial und auch die Trennung passt nicht so ganz.
Also schauen wir uns an, was die Pimp-Weiche aus dem Netz bewirkt:
Ja, das ist schon mal besser. Der TMT läuft deutlich ausgewogener und auch der HT spielt noch einen Hauch schöner. Allerdings klappt die Trennung nicht optimal und auch das Abstrahlverhalten
sieht nicht sehr gut aus. Das muss bei einer Box mit Waveguide doch noch besser gehen, zumal die Pimp-Weiche mit sehr krummen Werten versehen war, die man mühsam aus mehreren Bauteilen hätte
zusammenstückeln müssen.
Dank Vituixcad war eine alternative Beschaltung schnell gefunden. Und die fiel noch dazu erfreulich einfach aus:
Das teuerste Bauteil wäre die 2mH Spule im Saugkreis des TMT, allerdings gibt es die gratis in der originalen Weiche der Behringer in Form einer Kernspule. Die Spulen mit 1,2 und 0,82mH sind
I-Kern Modelle mit 0,7mm Drahtstärke. Die 22 und 33µF Caps können als Elkos ausgelegt werden, beim 3,9µF Wert empfiehlt sich eine Folie (MKT oder MKP).
Bei den Widerständen genügen 10W MOX Modelle.
Der 1100µF Cap vor dem TMT ist optional, mehr dazu am Ende des Artikels. Aktuell kommt man dabei auf knapp über 22€ pro Weiche.
Im obigen Warenkorb für den Quint Store ist der HPC nicht enthalten, da er optional ist und ggfs. auch aus preiswerten unipolaren Elkos gebildet werden kann. Preistand des Warenkorbs ist der 18.11.2025.
Die Messungen dazu sehen schlussendlich so aus:
Das würde auch einem erheblich teureren Monitor der Profiklasse gut zu Gesicht stehen. Wunderbar ausgewogen, sauberer Übergang zwischen den Chassis und noch dazu ein richtig gutes Abstrahlverhalten - was will man mehr?
Die Investition lohnt sich also ganz klar, auch wenn man für die Behringer etwas mehr als in meinem Fall bezahlt.
Der Hörtest zeigte dann auch, wie sauber und unbestechlich die gepimpten Lautsprecher spielen. Dabei werden sie aber niemals unangenehm oder zu analytisch. Im Gegenteil, selbst nicht so gut
produzierte Scheiben machen richtig Spaß. Wirklich beeindruckend war auch die Abbildung von Stimmen, die wie festgenagelt aus der Mitte kommen und scheinbar mit den Schallwandlern nichts zu tun
haben.
Einzig der Bassbereich konnte da nicht wirklich mithalten. Er klang etwas fett und weich. Deutlich besser wurde es mit verschlossenen Bassreflexkanälen. Nun fehlte zwar der Tiefbass ein wenig,
aber wandnah oder auf Schreibtischen könnte das für Viele schon mehr als ausreichend sein. Als schließlich noch die GHP Kondensatoren zum Einsatz kamen, war auch frei auf Ständern das Klangbild
wieder komplett. Nun hatte der Bass Kontur und spielte ohne Übertreibung, so wie es sein sollte.
Ich werde meine beiden B2031P jedenfalls auf GHP umrüsten, wer einen guten Subwoofer hat oder die LS nahe an der Wand betreibt, kann aber auch die geschlossene Variante umsetzen. Zum
Verschließen der BR habe ich diese ausgebaut, auf etwa 3cm Länge gekürzt und mit schwarzem Kunstharz gefüllt. So hat man eine saubere Optik.
Für den GHP-Kondensator habe ich zwei sehr günstige unipolare Elkos mit 2200µF und 100V Belastbarkeit an den Minusanschlüssen miteinander verbunden. Damit hat man an den Pluspolen als Ergebnis
einen bipolaren Elko mit 1100µF, der dann direkt in Reihe vor dem TMT eingesetzt werden kann.
Alternativ kann man natürlich auch direkt einen Tonfrequenz-Elko mit 820-1200µF kaufen, diese kosten aber schnell mehr als der komplette Rest der Weiche.
Viel Spaß beim Pimpen!
