Vor einiger Zeit erschienen interessante und günstige 1" Hörner von SB-Audience, der PA-Marke von SB-Acoustics. Für Tests habe ich mir davon welche bei TLHP bestellt und nebenbei auch noch ein
Pärchen SB19ST-C000-4, einer ebenso günstigen wie messtechnisch guten 19mm Kalotte von SB, mit in den Warenkorb
gelegt.
Beim Prüfen der Lieferung stellte ich dann fest, dass die kleine Kalotte im Durchmesser ziemlich genau an den Hornhals der Hörner passte, und so entstand die Idee, die Kombination 19mm Kalotte am
H225 Horn zu testen.
Dafür wurde kurzerhand ein passender Karton zurecht geschnitten und das Horn samt Hochtöner darin befestigt. Die Messung dieses Provisoriums sah vielversprechend aus:
Das Horn erhöht sehr gleichmäßig den Pegel zwischen 1,3 und 8 kHz und das Bündelungsverhalten ist tadellos. Im oberen Hochton gibt es nur leichte Störungen, die kaum ins Gewicht fallen. Die
Messung ist nicht Pegelkalibriert.
Als ich diese Messungen in unserem internen Forum vorstellte, bekam ich von meinem DAU-Freund Markus den Tipp, dass man damit eine Box, die sich optisch an die Dynamikks Lautsprecher anlehnt,
bauen könnte. Die Monitor10 gefiel auch mir ausgesprochen gut, und so machte ich mich auf die Suche nach einem
passenden 10" Tiefmitteltöner.
Die Anforderungen waren nicht einfach zu erfüllen. Nur wenige Chassis im 25cm Format laufen im Mittelton sauber und hoch genug, um an diesen Hochtöner angekoppelt werden zu können. Fündig wurde
ich schließlich beim Dayton Audio DS270-8, der laut Datenblatt bis etwa 2,5kHz ohne größere Störungen läuft und noch dazu
sehr gute Parameter für ein geschlossenes Gehäuse mitbringt. Mit genug Volumen ist aber auch Bassreflex möglich.
Die eigenen Messungen der TSP bestätigten die Datenblattangaben sehr exakt, was auch in der Simulation deckungsgleiche Ergebnisse lieferte:
Anvisiert waren 52L Volumen, um die Proportionen der Studio 10 möglichst unverändert einzuhalten. Geschlossen läuft der Dayton darin sehr schön und macht immerhin rund 45Hz f3, was bei einer
geschlossenen Box mehr als ausreichend Tiefgang verspricht. Wenn man dennoch mehr Schub im Tiefton haben möchte, kann man alternativ auch auf Bassreflex setzen, die Betonung im Bereich um 60Hz
kann aber in vielen Situationen zu viel des Guten sein.
Das Testgehäuse wurde daraufhin geschlossen ausgeführt, aber es ist durchaus legitim, die Lilith mit Bassreflexkanal zu bauen und selbst zu testen, was einem besser gefällt. Deshalb enthält der
Bauplan auch den Reflexkanal.
Die Messungen im Testgehäuse bestätigten im Hochton den ersten Versuch:
Interessant wurde es dann beim TMT und wie sehr das Gehäuse Einfluss auf den Frequenzgang hat:
Über 400Hz beginnt der Baffle-Step, allerdings gibt es bei 700Hz einen unschönen Einbruch. Auch die erste, starke Resonanz bei knapp über 2kHz liegt etwas tiefer, als ich gehofft hatte. Dennoch sollten die beiden Chassis mit etwas Fingerspitzengefühl zu einem harmonischen Zusammenspiel überredet werden können. Dass die Weiche dafür etwas aufwändiger ausfallen wird, war nach den Messungen wenig überraschend, das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand aber auf jeden Fall.
Trotz der ungewöhnlichen Kombination verläuft der Frequenzgang ziemlich linear und sehr ausgewogen mit überzeugendem Abstrahlverhalten. Die Trennfrequenz liegt bei ziemlich genau 1,5kHz, was für
eine so kleine Kalotte eigentlich extrem tief wäre. Da das Horn hier jedoch satte 15 Dezibel an zusätzlichem Pegel generiert, wird der Hochtöner weit weniger belastet, als es den Anschein macht.
In der Simulation fällt die Impedanz im Bereich um 400Hz auf knapp unter 3Ohm, real gemessen werden die 3,2 Ohm, die das Minimum für eine 4 Ohm Box darstellen, jedoch nicht unterschritten.
Die anschließende Überprüfung der Simulation mittels akustischer Messungen bestätigte das Ergebnis eindrucksvoll:
Hier der Bauplan für die Lilith:
Das HT-Gehäuse beinhaltet die Weiche und sollte mittels kleiner Gummifüße oder Ähnlichem vom Bassgehäuse entkoppelt werden. Der BR-Kanal ist wie schon erwähnt optional und kann gerne weggelassen werden.
Die Weichen- und Baupläne sind für private Nutzung freigegeben. Jegliche Form der gewerblichen Nutzung oder Verbreitung ohne vorherige Absprache ist untersagt und wird strafrechtlich verfolgt. (The crossover and construction plans are released for private use. Any form of commercial use or distribution without prior agreement is prohibited and will be prosecuted.)
Zum Abschluss gibt es hier noch den Warenkorb für die Bauteile im Quint Store. (Preisstand: 06.01.2026)
Eine zentrierte Befestigung des Hochtöners am Horn ist sehr wichtig, aufgrund der leicht gewölbten Frontplatte des SB19ST ist dies aber nicht so einfach. Um die Montage erheblich zu vereinfachen, war Rouven so nett, einen Adapter zu designen. Die Datei dazu kann man sich hier kostenlos runterladen.
Der Adapter muss ggf. im Bereich der Anschlussfahnen noch etwas angepasst werden.
Klanglich macht die Lilith sehr viel richtig. Trotz der etwas martialischen Optik mit dem recht großen Horn, spielt die Box sehr fein und mit hoher Auflösung. Stimmen werden wunderbar natürlich wiedergegeben und die Ortungsschärfe ist beachtlich. Auch der Bass kann absolut überzeugen. Mit geschlossenem Gehäuse spielt die Lilith sehr straff und trocken und mit deutlich mehr Tiefgang, als es die Simulation auf den ersten Blick versprach. Mit geöffneten Reflexkanälen kommt noch einmal eine große Portion Schub untenrum dazu. Das macht bei sehr geringen Pegeln durchaus Spaß, bei normalen Lautstärken ist es aber nach kurzer Zeit einfach zu viel des Guten.
In puncto Pegelfestigkeit sollte man erwähnen, dass die Lilith kein Lautsprecher für dauerhafte Partypegel ist. Räume bis etwa 40m² werden durchaus souverän beschallt, aber für Leute, die gerne
auch mal sehr laut hören, gibt es sicherlich geeignetere Bauvorschläge.
