Unser DAU-Mitglied Oli war Ende 2025 zu Gast bei Quint-Audio in Senden nähe Ulm, um mit dem Geschäftsinhaber Nico über verschiedene Projekte zu sprechen und auch die neuesten Lautsprecher von
Quint zu hören. Die Beiden kennen sich schon recht lange und in der Vergangenheit fanden auch schon mehrere Treffen in den Räumlichkeiten von Quint statt, die Oli teilweise mit organisiert hatte.
Während des Gesprächs hatte Nico die Idee, mal wieder etwas für die Selbstbauwelt auf die Beine zu stellen. Schnell war klar, dass man nicht einfach nur ein einfaches Treffen machen, sondern die
Gelegenheit dafür nutzen wollte, den Teilnehmern die Scheu vor dem Messen eines Lautsprechers und dem Entwickeln einer Weiche zu nehmen.
Zu diesem Zweck musste zuerst ein passendes und sinnvolles Projekt erdacht werden. Oli hatte die Idee, den aktuellen Retro-Trend aufzugreifen und eine Box klassischer Bauart umzusetzen. Dabei
wurden ganz bewusst 3-Wege ins Auge gefasst, um aufzeigen zu können, wo die Fallstricke im Vergleich zu einfacheren 2-Wege Lautsprechern liegen. Beim Blick auf das Portfolio von Quint-Audio kamen
gleich mehrere Chassiskombinationen in Frage, die Kosten sollten jedoch im Rahmen bleiben und deshalb war Scanspeaks preiswerte, gleichwohl sehr hochwertige "Discovery" Serie das Mittel der Wahl.
Mit dem 8" Tieftöner 22W/8534G00, dem 12cm Mitteltöner 12W/8524G00 sowie der 25mm Kalotte D2604/830000 waren schnell passende Kandidaten gefunden, welche sich allesamt so gutmütig verhalten, dass
man sehr viel Spielraum bei den jeweiligen Trennfrequenzen erwarten konnte.
Da das Konzept nun feststand, brauchte man nur noch einen Termin, welcher auf den 21. Februar 2026 fixiert wurde. Anschließend erfolgte ein Aufruf in der DAU-Facebook-Gruppe nach interessierten
Teilnehmern, welche auch nicht lange auf sich warten ließen.
Während der intensiveren Vorbereitungszeit entschloss sich Nico, eine eigene Version des "Ventura" getauften Lautsprechers zu entwickeln. Ihm gefiel das Konzept so gut, dass er dieses Projekt
auch im eigenen Shop anbieten wollte. Für den Workshop war dies natürlich toll, da man am Ende auch einen Vergleich zu einem professionell entwickelten Lautsprecher ziehen konnte.
Am dritten Samstag im Februar war es dann endlich soweit, gegen 10 Uhr schlug Oli in Senden auf und man nutzte die Zeit bis zum Eintreffen der Teilnehmer, um vorab schon einmal den Messaufbau
einzurichten. Als gegen 11:30 Uhr nahezu alle Gäste anwesend waren, gab es noch ein traditionelles Weißwurstfrühstück, welches Nico großzügigerweise organisiert hatte. An dieser Stelle auch noch
einmal herzlichen Dank dafür.
So gestärkt konnte es dann endlich losgehen. Um die Möglichkeiten der Räume ausnutzen zu können, wurden Lautsprecher sowie Mikro auf rund drei Meter Höhe verfrachtet.
Winkelmessung Workshop Box auf 3 Metern Messhöhe
Workshop Box auf 3 Metern Messhöhe
Workshop Box Nahfeldmessung des Tieftöners
Dank kalibriertem Clio-Poket konnten es direkt mit den ersten Messungen losgehen. Da Mittel- und Hochtöner allerdings versetzt auf der Schallwand montiert waren und wir in 15° Schritten bis 60°
zu beiden Richtungen messen wollten, bedeutete dies, dass man insgesamt 27 Mal auf die Leiter steigen müsste, um den Drehteller richtig zu positionieren. Dies hätte viel Zeit in Anspruch
genommen, die am Ende evtl. gefehlt hätte. Daher wurde, nachdem das Vorgehen beim Messen am Beispiel des Tieftöners gezeigt wurde, kurzerhand auf im Vorfeld gemachte Messungen für den weiteren
Ablauf zurückgegriffen.
Für die Simulation mittels Vituixcad machten wir es uns anschließend im Hörraum von Quint gemütlich. Praktischerweise ist dieser Raum mit einem Beamer und Leinwand ausgestattet, was das Verfolgen
der einzelnen Schritte für die Teilnehmer erheblich erleichterte.
Import der angefertigten Messungen in VituixCAD
Merging von Nah- und Fernfeldmessung des Tieftöners
Nachdem die Messungen, beim Tieftöner inklusive Merging, importiert waren, konnten wir direkt Weichenschaltungen testen. Doch dem geübten Auge fiel schnell auf, dass die Ergebnisse der Simulation
seltsam aussahen. Irgend etwas stimmte nicht - der klassische Vorführeffekt? Nicht ganz, denn auf dem Messrechner befand sich noch eine ältere Version von Vituixcad, die offenbar nicht richtig
rechnete. Nachdem eine Internetverbindung hergestellt und das Programm neu installiert wurde, sahen die Ergebnisse so aus, wie wir uns das vorgestellt hatten. Solche kleinen Fehler können
natürlich immer mal passieren und sind meist ärgerlich, in diesem Fall war es aber sogar sehr lehrreich, sowohl für die Teilnehmer als auch für den "Simulanten".
Während man nun viele verschiedene Dinge testen und deren Auswirkungen auf der Leinwand sehen konnte, wurden viele Fragen der Teilnehmer auch von den anderen beiden DAUlern Alex und Christian,
sowie von Nico beantwortet. Die Zeit verging dabei wie im Flug, und am Ende hatte man dann zwei Weichenvarianten für die Testbox gefunden, wovon nach Absprache Eine auch praktisch aufgebaut
werden sollte.
Simulation einer Weichenschaltung in VituixCAD
Oli verschwand daraufhin für ein paar Minuten mit Nico im Bauteilelager, bevor er die Weichen provisorisch mittels Wago-Klemmen zusammen baute.
Oli beim fliegenden Aufbau einer der Weichenschaltungen mit Wago Klemmen
Eine fertige Weiche
Auch wenn das Ergebnis etwas unübersichtlich wirkt, glückte der Aufbau doch ohne Probleme und die ersten Töne erklangen im Hörraum.
Obwohl noch keine Feinabstimmung erfolgte, schien das klangliche Ergebnis dennoch zu überzeugen. Die Eindrücke der Hörer waren jedenfalls durchweg positiv, auch wenn natürlich die einzelnen
Geschmäcker in unterschiedliche Richtungen tendierten.
Auffällig war, dass der Bass sehr gelobt wurde, und das, obwohl der provisorische Aufbau noch ohne GHP-Kondensator erfolgte. Die untere Grenzfrequenz (f3) lag in diesem Fall bei lediglich 50Hz -
auf dem Papier also kaum Tiefbass. Und doch wurde nur sehr wenig vermisst und die Teilnehmer hatten sichtlich Spaß beim Hören unterschiedlichster Stücke. Nachdem ein großer Elko in den Weichen
ergänzt wurde, war der Bass insgesamt etwas tiefer, aber auch ein Stück zurückhaltender. Die Vorlieben gingen auch hier wieder auseinander.
Nun war natürlich noch spannend, wie sich Nicos Ventura im Vergleich anhörte. Nico hatte seine Version zwar äußerlich nahezu identisch aufgebaut, in einigen Punkten aber dank modernster
Simulationssoftware optimiert. So wurde vorab das Schwingungsverhalten der Gehäusewände analysiert und mittels Streben an den richtigen Punkten optimiert. Außerdem erhielt der Mitteltöner ein
akustisch optimiertes Gehäuse, welches im 3D-Drucker umgesetzt wurde. Die Simulationen diesbezüglich waren sehr beeindruckend, und das hörte man auch. Nicos Box spielte im Mittelhochton noch
einmal ein wenig sauberer und entspannter. Das ist umso erstaunlicher, da bei ihm die Trennfrequenzen extrem tief liegen und der Hochtöner schon bei 1kHz eingekoppelt wurde. Faszinierend, dass
dies selbst bei hohen Pegeln perfekt funktioniert.
Da Nico den Kennschalldruck etwas niedriger angesetzt hat, spielt seine Entwicklung erheblich tiefer. Man könnte denken, der Lautsprecher hätte das doppelte Volumen zur Verfügung. Allerdings
wurde der akustisch sehr gut behandelte Hörraum von der Quint-Edition spürbar mehr angeregt als von der Workshop-Variante. Auch hier gab es Fürsprecher in beide Richtungen.
Der Vergleich zeigt, dass man durchaus noch ein wenig an unserer Ventura feilen kann, wenngleich sie jetzt schon hervorragend funktioniert. Wir wären aber auch nicht der DAU, wenn wir uns bei so
einem Projekt mit dem ersten Entwurf zufrieden geben und nicht noch versuchen würden, das Maximum herauszuholen.
Inzwischen war schon die Nacht herein gebrochen und der Hunger meldete sich bei den Teilnehmern, also düsten Nico und Oli zum örtlichen Italiener, um den Tag mit leckeren Pizzen und guten
Gesprächen zu beschließen. Nach und nach machten sich die mitunter weit gereisten Teilnehmer anschließend auf den Heimweg bis der harte Kern, welcher in der Nähe eine Unterkunft gebucht hatte,
Morgens gegen halb drei ebenfalls die Segel strich.
Uns hat dieser Tag viel Spaß gemacht und wir möchten uns sowohl bei Nico als tollen Gastgeber, als auch bei den Teilnehmern für die sehr angenehme Stimmung bedanken. Und wer weiß, vielleicht
sieht man sich ja schon bald auf einem kommenden Treffen.
